Je wärmer, je ärmer
Der Klimawandel bereitet auch den Winzern in der Champagne Kopfschmerzen. Die Pflanzen wachsen und reifen schneller als je zuvor. Die Ernte beginnt im Schnitt zwei Wochen früher als noch vor 20 Jahren, erklärt Antoine Malassagne, der zusammen mit seiner Schwester Anne die Champagner-Produktion AR Lenoble in Damery leitet. Durch die frühe Ernte hat der Grundwein oft zu wenig Frische, da der Säuregehalt nicht so ausgeprägt ist wie in den Jahren zuvor. Französische Weinbauern versuchen nun auf verschiedenen Wegen, ihren Champagner vor dem Klimawandel zu schützen.
AR Lenoble lagert bereits seit einigen Jahrgängen seinen Schampus in Magnumflaschen mit Naturkorken. Dadurch entsteht ein sehr viel charaktervollerer Geschmack. Bruno Paillard setzt auf eine neue Lagerung: Er bedeckt die Böden der Weingärten mit Stroh, um die Sonne davon abzuhalten, das mikrobielle Leben zu zerstören. Andere Weinbauern verwenden die malolaktische Gärung, um dem Wein einen höheren Säuregehalt zu geben. Jean-Baptiste Lecaillon, Kellerchef von Roederer, experimentiert mit biodynamischem Weinanbau und der DNA-Analyse von Hefe.
Auch die Wissenschaft hält einige Möglichkeiten bereit, wie man die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Champagner-Produktion verhindern kann: So entwarf das Comité Champagne (CIVC), der Verband der Champagnervertreter, eine Hybridweintraube, die unter wärmeren Bedingungen langsamer reift und eine höhere Resistenz gegenüber Ungeziefer hat. Darüber kann man natürlich die Nase rümpfen. Denn wohl nichts geht über die von Mutter Natur gereifte Traube. Doch eines ist sicher: Die Champagne hat schon so manche Krise gemeistert. Denn sie sind erfindungsreich, die Champenois. Das liegt nicht zuletzt auch an ihrem Wein. Wie sagte schon Mark Twain: »Champagner ist wohl die glückhafteste Inspirationsquelle.«