Château Boursault

Das Schloss der alten Veuve Clicquot

Natürlich braucht eine Königin ein Schloss. Und so beauftragte Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin, besser bekannt als Veuve Cliquot, Eigentümerin des gleichnamigen Champagnerhauses und heimliche Königin der Champagne, 1843 den Architekten Jean-Jacques Arveuf-Fransquin mit dem Bau des Château de Boursault. Sieben Jahre später stand es in voller Pracht am linken Ufer der Marne stromabwärts von Épernay: ein lachsfarbenes Schloss im Neorenaissance-Stil, gekrönt von Spitztürmen, mit einem großen Park voller Skulpturen, einem Wasserbassin, einer freizügigen Terrasse mit Blick ins Marne-Tal, einem eigenen Weinberg und einer gläsernen Orangerie. Die ebenso intelligente wie geschäftstüchtige Witwe richtete hier große Feste aus, zu der die Erlesensten der Gesellschaft zusammenkamen. Am 29. Juli 1866 starb sie neunundachtzigjährig in ihrem Château, das die Familie 1913 verkaufte.

Im Ersten Weltkrieg diente es als Militärkrankenhaus, 1927 erwarb Achod Fringhian das Anwesen. 2015 übernahm Alex Fringhian in vierter Generation. Eigentlich wollte er in der Automobilindustrie Karriere machen, sattelte jedoch um, wurde ein brillanter Winzer und setzte den Fokus wieder ganz auf Weinbau.

Die Einfahrt zum Château liegt unmittelbar an der Rue Maurice Gilbert. Am besten parkt man rechts vom Eingang auf dem Kopfsteinpflaster vor der kleinen Kirche. Da das Schloss nach wie vor privat genutzt wird, ist es zwar für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, allerdings ist der Weinkeller für Besucher nach Voranmeldung offen. Und die Boutique hinter dem Eingang ist für Verkauf und Verkostung des Champagne Château de Boursault regelmäßig geöffnet. Auch wer einen kleinen Spaziergang durch den Park unternehmen möchte, kann das tun. Denn Alex Fringhian ist ein freundlicher Gastgeber. Und er arrangiert wieder Feste in den restaurierten Räumen des Schlosses. Die Witwe wäre stolz auf ihn.

Martin Roos

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Comité Champagne