Comité Champagne
Ein Weinlabor im Raumschiff der Macht
Der Letternzug »Maison de la Champagne« an der Fassade des großen Backsteingebäudes an der Rue Henri Martin ist unübersehbar. Gleich darunter prangen drei Reliefs des Bildhauers Marius Giot (1897–1980): die Allegorien über Önologie, Weinberg und Handel und natürlich den Stammvater des Champagners: Dom Pierre Pérignon. Es ist das Headquarter des »Comité interprofessionnel du vin de Champagne« (CIVC), die Machtzentrale der Champagne als Weinregion. Wer, in welcher Stellung auch immer, beruflich für die Champagne und seine Weine arbeitet, sollte sich wenigstens einmal in diesem Gebäude, an der Quelle allen Champagnerwissens, einen Termin geben lassen.
Das Comité präsentiert die unabhängigen Champagner-Produzenten und -Häuser und vertritt ihre Interessen, selbst gegenüber dem französischen Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerium. Anders als eine Winzergenossenschaft, die für ihre Mitglieder vor allem Technik und Know-how bündelt, hat das 1941 gegründete Comité als halbstaatlicher Wirtschaftsverband die Aufgabe, den Champagner in allen Facetten zu fördern – sei es in der technischen, ökologischen oder wirtschaftlichen Entwicklung, sei es im Marketing oder Markenschutz.
In der Eingangshalle führt eine weiße Marmortreppe links und rechts zu den Empfangsräumen hinauf. Gleich in der ersten Etage, vorbei am großen Art-déco-Empfangssaal, geht es zum interessantesten Salon: 2001 gebaut, erinnert er an die Steuerbrücke eines Raumschiffs oder an einen Reinraum. Tatsächlich ist es eines der bestausgestatteten Verkostungslabore der Region. Wer an einer »Dégustation de vins« teilnehmen darf, hat Glück. Der Dachverband organisiert auch Wein-Touren, die nach Winzer, Champagnerhaus oder Genossenschaft klassifiziert sind. Sein Netzwerk ist groß, und es ist damit einer der besten Türöffner auch für die Keller, die sonst nur Auserwählten vorbehalten sind.
Martin Roos