La Cordelière
Das außergewöhnlich Loch 19
Geht es nach den Clubmitgliedern, ist »La Cordelière« nicht nur der schönste Golfplatz der Champagne, sondern auch einer der schönsten in ganz Frankreich. Und sie könnten recht haben, denn selbst für diejenigen, die nicht hierherkommen, um Golf zu spielen, ist schon das nur drei Kilometer von Chaource entfernte Château, in dem das Clubhaus untergebracht ist, eine Lustreise wert. Das Schloss am Rande des Waldes von Aumont ist mit seinem leicht morbiden Charme und der Künstlichkeit seines neogotischen Stils ebenso sympathisch wie faszinierend schrill.
Das Château entstand 1900 unter Frédéric Chandon de Briailles (1858-1918). Der Graf stammte aus dem berühmten Champagnerhaus Chandon. Sein Sohn François (*1892) war so beliebt, dass er 1922 Bürgermeister von Chaource wurde. 1944 deportierten ihn die Nazis ins Konzentrationslager Neuengamme, aus dem er im August 1945 mehr als geschwächt zurückkehrte. Im Februar 1953 starb er ohne Nachkommen. Sein Neffe Frédéric kam 1957 auf die Idee, das Schloss samt 48 Hektar Wald an den Golfclub zu vermieten. Im April 1958 erfolgte der erste Turnierabschlag.
Vor dem Château befindet sich heute das großzügig konzipierte Putting Green. Die 18-Loch-Anlage (40 Euro unter der Woche, Neun-Loch für 25 Euro) erstreckt sich auf rund sechs Kilometern Länge, gesäumt von uralten Bäumen, eingebettet in sanfte Täler und verziert mit idyllischen (wenn auch für Golfer nervigen) Wasserhindernissen. Zu den Clubräumen gelangt man über das Hauptportal des Lustschlosses durch ein hohes, mit Hirschköpfen und einem sechsarmigen Kronleuchter geschmücktes Foyer. Danach warten auf den Besucher ein eleganter Salon, ein Esszimmer mit großem, stuckbesetztem Kamin, eine Bar und ein Restaurant. Keine Frage, dieses 19. Loch – wie bei den Golfern der Drink im Clubhaus nach gespielter Runde genannt wird – ist eines der außergewöhnlichsten der Republik.
Martin Roos