Perching Bar
Nirgendwo hat man besser einen in der Krone
An der kleinen Schranke, die man passiert, um nach kurzem Fußweg zur spektakulärsten Bar der Champagne in freier Natur zu gelangen, steht: »Take a deep breath!« Und tatsächlich: Wer tief durchatmet und weitergeht, taucht ein in eine Welt, die atemberaubend in den Baumkronen des Forêt de Faux de Verzy liegt – und wo man besser schwindelfrei sein sollte. Die Perching Bar ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt nicht nur für Champagnergenießer, sondern auch für Sportbegeisterte: Rund um die Bar befindet sich der Kletterpark »Arboxygéne«.
2002 kam Olivier Couteau, damals ein junger Sportlehrer aus dem Norden von Paris, auf die Idee, einen eigenen Kletterparcours zu bauen. Vier Jahre später war es soweit. Er mietete von der Gemeinde Verzy zehn Hektar Wald und machte in diesem Blätterreich seinen Traum wahr. 2010 baute er eine Bar in die Wipfel der großen Eichen, nach einem Entwurf des Architekten Germain Morisseau. Über Hängebrücken, die rollstuhlgerecht ausgelegt sind, gelangt man sieben Meter hoch zu ihr hinauf. Die Wände, Fenster und Böden sind aus Holz, alle Elemente sind harmonisch aufeinander abgestimmt, die Bänke sind weiß gepolstert, designte Sitzschalen hängen wie Schaukeln an der Decke, hinter der hölzernen Bar wartet der Champagner. Und ob Kühlschrank, Heizung oder Kaffeemaschine – alles ist solarbetrieben.
Ein paar Meter höher geht es auf die Aussichtsplattform oberhalb der Bar. Spätestens hier, wo der Ausblick phänomenal ist, fühlt man ganz leicht die Schwingungen des Baumhaues. Und es wird klar, warum die Perching Bar für maximal 85 Personen zugelassen ist. Kinder unter zwölf Jahren dürfen nicht nach oben, Haustiere sind verboten, und bei Sturm schließt die Bar ganz. Umso wichtiger, bei schönem Wetter seinen Champagner in vollen Zügen zu genießen. Wo, wenn nicht in diesen Wipfeln, kann man so herrlich einen in der Krone haben?!
Martin Roos