Haley Bennett als Witwe Cliquot
Endlich ein farben- und kostümprächtiger Film aus Hollywood über die Champagne: Die französische Provinz Champagne im frühen 19. Jahrhundert: Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin (Haley Bennett) alias Veuve Cliquot mit nur 27 Jahren die Leitung der familieneigenen Weinkellerei – ein gewagter Schritt zu einer Zeit, in der für Frauen kein Platz in der Geschäftswelt vorgesehen war. Mit Entschlossenheit und Leidenschaft manövriert die Witwe Clicquot das Unternehmen durch turbulente Zeiten:
Während sich Europa nur schwer von den napoleonischen Kriegen erholte, gelang es ihr, ihren Champagner dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer zumeist aus Deutschland stammenden Mitarbeiter in die ganze Welt zu exportieren. Sie stellte ihre Produkte an allen Herrschaftshöfen Europas vor und trug somit zur Ausstrahlung des französischen Savoir-vivre bei. Barbe-Nicole Clicquot korrespondierte mit ihren Handlungsreisenden – vor allem mit Ludwig „Louis“ Bohne, dem engsten Vertrauten ihres verstorbenen Mannes; sie inspizierte selbst nachts ihre Weinkeller, um über die Entwicklung der Cuvée zu wachen. Ihr Kellermeister Anton von Müller, französisch Antoine de Muller (1788–1859), ein gebürtiger Schwabe, erfand um 1813 das Rüttelverfahren. Ihr Einfluss auf die deutsche Sektindustrie ist nicht zu unterschätzen: Georg Christian von Kessler arbeitete von 1807 bis 1825/26 im Hause Veuve Clicquot (seit 1810 als Prokurist, fünf Jahre später als Teilhaber) und gründete nach diesem Engagement 1826 in Esslingen am Neckar die erste deutsche Sektkellerei. 1841 zog sich die Witwe Clicquot aus dem Unternehmen zurück, ihr Nachfolger wurde Eduard Werle, seit 1822 Kellermeister und später Teilhaber des Hauses Clicquot. Madame Clicquot starb 1866 im Alter von 88 Jahren. 1884 übernahm der Sohn von Eduard Werle, Alfred Werlé, die Firmenleitung.
Barbe Cliquot hatte mit ihren Innovationen den Grundstein für die moderne Champagnerherstellung gelegt, sich in der Champagne eines der bis heute schönsten Schlösser gebaut, nämlich das Château de Boursault, und avancierte auch mit Hilfe ihres besonderen Jahrgang von 1811 – dem legendären Kometenjahrgang, von dem es noch stets Flaschen gibt – zur „Grande Dame des Champagners“.